Haltung zeigen und Stellung beziehen

Laura ist bei uns Beraterin mit dem Schwerpunkt Digitale Kommunikation. Sie sagt: „Konsumenten wollen heute Marken, die Haltung zeigen und Stellung beziehen.“ Ansonsten trinkt die Frau sehr viel Kaffee und muss immer Hunde auf den Arm nehmen.

Was zeichnet eine*n guten Berater*in aus?

Ein guter Berater bekommt im Idealfall einen Wunsch vom Kunden, erkennt die Herausforderung der Marke oder des Produkts darin und sorgt dafür, dass der Kunde eine Lösung bekommt, die genau das bietet, was er braucht. Ein Berater ist demnach – oh Wunder – tatsächlich jemand, der berät und zumeist auch einen Hauptteil der strategischen Konzeption übernimmt. Doch er tut nicht nur das. Er ist Bindeglied zwischen Agentur und Kunde, zwischen Kreation und Beratung, zwischen Freelancer und Agentur. Er ist der, der über alles den Überblick behält und alle Tätigkeiten vom Erstkontakt bis zur letztendlichen Kampagne koordiniert. Er ist ein Kommunikationstalent und ein Stück weit auch Psychologe – wenn es mal wieder ganz heikel wird. Jemand, der all das vereint und dabei auch noch der Lieblings-Ansprechpartner der Kunden ist, gerade wenn es mal wieder richtig heiß wird – das ist ein guter Berater. 

Welche Trends werden Deiner Meinung nach gerade von Unternehmen verschlafen?

Oh, da gibt es einige.

Purpose-Driven-Marketing zum Beispiel. Ein wunderbares Buzzword, das jedoch eigentlich nur bedeutet, zu ermitteln, welcher echte Wert und gesellschaftliche Beitrag hinter einem Unternehmen liegt und diesen authentisch im Marketing zu kommunizieren.
Oder Voice Marketing. Wie viele Menschen haben mittlerweile eine Alexa zuhause? Oder fragen Google oder Siri einfach, was sie wissen wollen, statt die Frage händisch ins Handy einzutippen? Auch SEO-technisch ein Aspekt, den unbedingt mehr Unternehmen und auch Medienkonzerne beachten sollten. Eine Riesen-Chance für das Marketing – wenn man denn nicht gerade schläft.

Und grundsätzlich natürlich – eigentlich schon lange nicht mehr als „Trend“ zu bezeichnen – die Customer Journey seiner Kunden kennen und begleiten. Relevanten Content in den richtigen Kanälen zur richtigen Zeit an die richtige Zielgruppe zu kommunizieren. Das sollte mittlerweile Bestandteil jeder Content-Strategie sein – aber auch hier schlafen leider viele Unternehmen wie Dornröschen, das darauf wartet, vom Prinzen wachgeküsst zu werden.

Worauf wird in Zukunft der Fokus in der Marken-Kommunikation liegen?

Konsumenten wollen heute Marken, die Haltung zeigen und Stellung beziehen. Unternehmen die diesen Wandel nicht berücksichtigen und sich nur um die Benefits der eigenen Produkte drehen, werden langfristig auf der Strecke bleiben. Menschen kaufen Marken, mit denen sie sich identifizieren können und diese Identifikation findet heute größtenteils über die Werte und Meinungen statt, hinter denen ein Unternehmen authentisch steht. Die Herausforderung in der zukünftigen Kommunikation von Marken wird somit sein, die Marke mit tief verwurzelten Werten aufzuladen und diese strategisch authentisch zu kommunizieren – und das stringent auf allen Kommunikationskanälen, ohne (aufgepasst!) überall immer dasselbe zu erzählen. Denn nichts langweilt die Zielgruppe mehr. 

Welche Kampagne hat Dich zu letzt beeindruckt?

Da fallen mir spontan drei ein, die mich auf ganz unterschiedliche Arten beeindruckt haben. Emotional berührt und ein grandioses Beispiel für eine emotionale und Werte transportierende Kampagne ist der Mercedes Film „The Long Run“ zur Einführung des neuen GLE, in dem nicht das Auto im Mittelpunkt steht, sondern die Haltung, trotz aller Widrigkeiten des Lebens zu kämpfen, um sein Ziel zu erreichen. Gleichzeitig wird hier mit einem Beispiel für Inklusion ein zentraler Wert kommuniziert, statt bloß ein Auto zu zeigen, dass in einer tollen Landschaft herumfährt. Eine Kampagne mit Mehrwert – I like!

Vom kreativen Blickwinkel aus betrachtet hat mich die Kampagnen-Idee des „Trivial Pursuit Hotel“, das der Spielehersteller Hasbro gemeinsam mit der Agentur Leo Burnett Moscow entwickelt hat, sehr beeindruckt. Ein Hotel unter dem Leitmotiv eines Spiels zu entwickeln, in dem mit Wissen statt Geld bezahlt wird, ist einfach eine grandiose Idee und eine überragende Kreativleistung.


Und nicht zuletzt bin ich, auch aus persönlichen Motiven, ein großer Fan der aktuellen PETA-Kampagne „Menschenaffen raus aus Zoos“, in der mithilfe des Gesichts von Kai Wiesinger – halb Mensch und halb Schimpanse – darauf aufmerksam gemacht wird, wie absurd es ist, dass wir genau die Tiere, die uns so ähnlich sind, zu unserem bloßen Vergnügen in Zoos einsperren.

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