HEUREKA – Ein Liebesbrief an die Zukunft.

von Kim Christopher Birtel

Liebe Zukunft, Du machst es uns gerade nicht besonders leicht. Wir schauen Dich an und erschrecken ein wenig. Selten in der Geschichte der Menschheit warst Du so geheimnisvoll und so wenig gut vorhersagbar. So scheint es zumindest. Heute, im Jahre 2019 erwarten wir wenig Gutes von Dir. Du lässt die Meeresspiegel ansteigen, zettelst Kriege um Ressourcen an und konfrontierst uns mit Innovationen, die uns bisweilen wahrlich überfordern. Liebe Zukunft, Du bist gerade eine echte Nervensäge!

Am besten wenden wir uns einmal kurz Deiner Schwester der Vergangenheit zu, um Deine kontroversen Pläne besser verstehen zu können. Was man kennt, macht schließlich weniger Angst. Ein einschneidendes Ereignis in der Vergangenheit Europas ereignete sich im Jahre 1348. Die Pest fiel über diesen Kontinent her und ließ die Menschen bitterlich sterben. Einige Regionen hatten eine Sterberate von 75%. Alle bekannten Lösungsstrategien versagten kläglich. Die Ärzte der Zeit schauten in den Sternenhimmel und machten „Winde“ für die Pandemie verantwortlich. Die Kirche bot gegen Geld Ablassbriefe an und machte die Sünden für die Tragödie als Schuldige aus. Aber auch das half den Lebenden wenig in medizinischer Hinsicht. Kurz nach der Pest kollabierten die politischen Systeme und der Hundertjährige Krieg brach über Europa hinein. Diese traumatischen Erfahrungen sorgten für einen radikalen Strategiewechsel. Die Menschheit besann sich ihres Verstandes. Nicht mehr der Glaube und emotionale Befindlichkeiten sollten die Lösung bringen, sondern unsere intellektuellen Fähigkeiten. Mit sensationellen Ergebnissen! Bereits einige Zeit vor der Aufklärung bewiesen die Ideen von Leonardo da Vinci vor allem Eines: Der Mensch ist nicht limitiert. Wir können alles, wenn wir es nur schlau durchdenken. Diese Entwicklung führte geradewegs in die Ära der Industrialisierung und die Menschheit feierte ihre Triumphe. Sie erschuf das Vernünftigste, das es gibt, die Maschine. Sie funktioniert oder sie funktioniert eben nicht. Der vielfältige Einsatz von Maschinen veränderte alles. 1926 fertigte der Arzt Dr. Fritz Kahn beeindruckende anatomische Illustrationen an, in denen er den Menschen als „Industriepalast“ huldigte. Fabriken entstanden und forderten von den Arbeitern monotone Handlungen. Unser Gehirn hasst diesen Zustand jedoch und so wurde die Idee des Konsumenten geboren, um den Wunsch nach Inspiration an den Fließbändern zu unterdrücken. Ab jetzt konnte fast jeder ein „Kunde König“ werden und in den neuen Kaufhäusern schwelgen. Mit den neuen „Galerien“ wurden auch die Innenstädte umgebaut, die jetzt zum Schaufensterbummeln einluden. Während immer neue und größere Unternehmen entstanden, fehlte es zunehmend an qualifizierten Managern für diese Formate. Das war die Aufgabe von Akademien und Universitäten. Doch diese waren blank. So besann man sich auf die Theorien der Militärführung und erklärte Wirtschaft zu einem Krieg mit anderen Mitteln. Noch heute reden wir im Marketing von Kampagnen, Briefings und Zielgruppen. Wir beschäftigen Offiziere, haben Stabstellen, Matrixorganisationen und teilen Märkte nach Divisionen auf. Keine Frage, wir sind im Kriegszustand. 

Liebe Vergangenheit, es waren sehr bewegende Jahrhunderte mit Dir. Zeit, sich etwas auszuruhen und die Mittlere im Bunde auf die Bühne zu bitten. 

Herzlich Willkommen liebe Gegenwart! In Dir befinden wir uns aktuell, während Deine Schwestern Zukunft und Vergangenheit dauernd in Dein Dasein hineinquatschen. Du bist geprägt von einem sehr starken Transformationsprozess. Da haben wir über hunderte von Jahren den Wert des Verstandes so hochgehalten und jetzt schon wieder ein gravierender Mindshift. Die Zeit der analogen, mechanischen Weltsicht ist vorbei. Gerade noch rechtzeitig, denn es droht eine neue „Pest“ in Form von Klimaveränderung, Ressourcenvernichtung und diversen Wohlstandserkrankungen. Wir müssen schon wieder umdenken. Die Menschheit hat unter anderem Dank des Internets das digitale Prinzip der Gleichzeitigkeit und Wechselwirkung erkannt. Wir beobachten Phänomene in einem System, die keinen kausalen Zusammenhang aufweisen. Bislang haben wir geglaubt, dass es immer einen direkten Zusammenhang zwischen Eingabe und Ausgabe gibt. Ich mache A und es passiert B – und morgen wieder. Das ist das analog-mechanische Weltbild, aus dem wir kommen. Das Prinzip der Gleichzeitigkeit meint, ich mache A und es passiert C und D und F – und morgen garantiert ganz anders. Eine systemische Betrachtung unserer Welt ist die Frage nach den Beziehungen, in denen die einzelnen Akteure miteinander stehen. Wer korrespondiert, wie, mit wem?

Dummerweise kollidiert diese neue Realität mit den alten Strukturen der früheren Kriegsführung. Viele Unternehmen und andere Organisationen sitzen noch auf dem Prinzip „Die und Wir“ und militärischer Disziplin, während die Welt hochvernetzt im kooperativen Spiel unterwegs ist. Diese Entwicklung macht vor allem denen Angst, die auf den alten Machtstrukturen sitzen. Die versuchen es eben mit Mauern. Nice try. 

Andere Unternehmen entdecken die neuen Möglichkeiten der vielfältigen und grenzauflösenden Perspektiven auf Menschen. Sie sehen nicht nur einen „Konsumenten“. Sie sehen auch Hoteliers, Taxifahrer, Journalisten, Investoren, Logistiker und bauen mächtige und vernetzte Plattformen, die sehr erfolgreich sind.

Und nun endlich zu Dir, liebe Zukunft. Wie sollten wir Dir begegnen? Mit Achtsamkeit, Demut und Hingabe.

Die Achtsamkeit beginnt mit uns selbst. Die zentralen Fragen sind: Was tut uns gut und was nicht? Demut ist kein Synonym für devotes Verhalten, sondern die Akzeptanz von größeren Kräften. Eine dieser Kräfte ist es, anzunehmen, dass wir alle mit allem und jedem verbunden sind. Was immer wir auch machen, es hat eine Wirkung auf uns als Gemeinschaft. 

Hingabe ist die menschliche Königsdisziplin, die uns glücklich macht. Denn jeder von uns erfährt Glück, wenn er oder sie sein individuelles Talent kennt und dieses in den Dienst einer Sache stellt, die größer ist als man selbst. Es ist geradezu erfüllend seiner Bestimmung zu folgen.

Leonardo hatte recht. Wir Menschen sind nicht limitiert! Wir können alles. Sogar Dich gestalten, liebe Zukunft.

Zu Kim Christopher Birtel M.A.: 

Nach über 16 Jahren Forschung und Entwicklung,
sowie sehr vielen praxisrelevanten Anwendungen in Unternehmen, wie beispielsweise Jägermeister, Wormland, Impressionen, Hapag-Lloyd Cruises, Schülke, Gerhard Schubert (Maschinenbau), Brown-Forman
(Jack Daniel ́s), MeridianSpa & Fitness, diversen Einzelarbeiten für Persönlichkeiten, VIP-Profilings für ein Medienunternehmen, Dozententätigkeiten, Seminaren, Vorträge und Eigenarbeiten, entwickelte Birtel aus seinen zentralen Ergebnissen ein neues Führungskonzept: Das Archetype-Leadership©-Modell. 
Mehr Informationen finden Sie unter 
www.archetype-leadership.com.

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